Von Prozessen tot gelangweilt

adhs neurodiversität pirate voice prozesse scannerpersönlichkeit
Von Prozessen tot gelangweilt

Prozesse sollen helfen und Orientierung geben. Sie sollen Klarheit schaffen und Arbeit vereinfachen. In der Realität passiert für viele vielwahrnehmende Menschen genau das Gegenteil, weil Energie verloren geht, bevor überhaupt etwas entsteht.

In dieser Episode von Pirate Talks spricht Flo darüber, warum Prozesse für Scanner-Persönlichkeiten oft nicht greifen. Es geht um Geschwindigkeit im Denken, um Komplexität und um die Frage, warum Umsetzung plötzlich schwer wird, obwohl alles längst verstanden ist.

 

 

Wenn der Prozess innerlich schon abgeschlossen ist

Es gibt Menschen, die Prozesse Schritt für Schritt lernen und aufbauen. Und es gibt Menschen, die einen Prozess sofort als Ganzes erfassen und gleichzeitig fühlen, wie er funktioniert.

Für vielwahrnehmende Menschen ist genau das der Normalzustand. Sie sehen Zusammenhänge sofort und haben innerlich bereits durchgespielt, wie alles laufen könnte, noch bevor der erste Schritt umgesetzt ist.

 

 

Warum die Umsetzung Energie kostet

Das eigentliche Momentum entsteht beim Erkennen und Verbinden. In dem Moment, in dem alles klar wird, entsteht ein kurzer Energieschub, weil etwas verstanden wurde.

Sobald es danach in die Umsetzung geht, kippt diese Energie oft. Die Wiederholung wirkt leer, weil nichts Neues mehr entsteht und der Prozess bereits innerlich abgeschlossen ist.

  

 

Wenn Systeme nicht mithalten können  

Ein grosser Frust entsteht dort, wo Prozesse offensichtlich nicht durchdacht sind. Formulare werden mehrfach ausgefüllt, Systeme sind nicht verbunden und Abläufe erzeugen mehr Aufwand als Nutzen.

Für Menschen, die schnell denken und Zusammenhänge erkennen, ist das besonders anstrengend. Sie sehen sofort, wie es einfacher wäre, und müssen trotzdem in einem System arbeiten, das langsamer ist als ihr eigenes Denken. 

 

 

Der spannendste Teil ist der Anfang 

Der Reiz von Prozessen liegt im Entstehen. Wenn etwas neu aufgebaut wird, wenn Zusammenhänge sichtbar werden und wenn aus Chaos Struktur entsteht, dann ist Energie da.

Sobald der Prozess steht und sich wiederholt, verändert sich die Qualität. Was vorher spannend war, wird zur Routine und genau dort beginnt die Langeweile.

 

 

Zwischen Optimierung und Stillstand

 

Ein weiteres Spannungsfeld entsteht, wenn Prozesse ständig weitergedacht werden. Es gibt immer noch einen Aspekt, der verbessert werden könnte, und immer noch eine Verbindung, die fehlt.

Das führt dazu, dass Dinge oft nie wirklich abgeschlossen werden. Zwischen Optimierung und Umsetzung entsteht ein Zustand, in dem alles möglich ist, aber wenig finalisiert wird.

 

 

Komplexität passt nicht in einfache Abläufe

 

Viele Prozesse sind stark vereinfacht, weil sie für Systeme und Organisationen funktionieren müssen. Sie reduzieren Komplexität auf wenige Schritte, damit sie steuerbar bleiben.

Für vielwahrnehmende Menschen entsteht genau dort ein Bruch. Sie denken in Zusammenhängen und erleben die Welt vernetzt, während Prozesse versuchen, diese Komplexität zu reduzieren.

 

 

Was das für Zusammenarbeit bedeutet

Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht, Prozesse zu betreiben und zu wiederholen. Manche Menschen sind dafür gemacht, sie zu erkennen, zu denken und zu entwickeln.

Wenn diese Rollen nicht bewusst verteilt sind, entsteht Frust. Die einen langweilen sich und verlieren Energie, während die anderen Stabilität und Wiederholung brauchen.

 

 

Fazit: Nicht jeder ist für Prozesse gemacht

Prozesse sind wichtig, weil sie Ordnung und Verlässlichkeit schaffen. Gleichzeitig sind sie nicht für alle Menschen gleich sinnvoll, vor allem dann, wenn Denken schneller ist als Umsetzung.

Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, wie man besser in Prozesse passt. Die Frage ist, wo der eigene Platz im Umgang mit Prozessen ist und wie man diese Stärke bewusst einsetzt. 

Hol dir die Schatztruhe. Alle 1-2 Monate News, Termine und Fundstücke des Piraten.