Ruf mich nicht an
Ein persönlicher Blick auf Kommunikation, Fokus und Energie
In dieser Solo-Episode des Pirate Talks spricht Flo über ein überraschend emotionales Thema: Kommunikation. Genauer gesagt über spontane Anrufe, E-Mails und das tägliche Informationsrauschen, das viele vielwahrnehmende Menschen, Scanner-Persönlichkeiten und Gründer:innen überfordert.
Flo erzählt aus seinem Alltag als Unternehmer und Kreativer, warum Telefonate für ihn oft mehr Energie kosten als bringen, weshalb asynchrone Kommunikation für viele Menschen besser funktioniert und wie er gelernt hat, das Kommunikationsrauschen radikal zu reduzieren.
Eine persönliche Episode über Fokus, Energie, Neurodiversität und die Frage, wie wir eigentlich miteinander kommunizieren wollen.
Highlights und Keypoints
Warum spontane Telefonate für viele Menschen Stress auslösen
„Ich rufe schnell an, das geht einfacher.“
Dieser Satz klingt logisch, ist aber oft eine Illusion. Für viele Menschen – besonders für vielwahrnehmende Persönlichkeiten – ist ein spontaner Anruf keine Erleichterung, sondern eine Unterbrechung.
Ein Telefonat bringt mehrere Dinge gleichzeitig in den Raum:
-
Ein Thema, auf das man nicht vorbereitet ist
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Eine Energie oder Emotion der anderen Person
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Den Druck, sofort reagieren zu müssen
Man hat keine Zeit, nachzudenken, keine Möglichkeit, seine Gedanken zu sortieren oder kurz nachzufühlen, wie man eigentlich reagieren möchte. Was als „schnell“ gedacht war, wird dann häufig länger als erwartet. Ein Thema führt zum nächsten, neue Fragen entstehen, und plötzlich dauert das Gespräch deutlich länger als geplant. Für viele Menschen funktioniert Kommunikation deshalb besser, wenn sie nicht sofort stattfinden muss.
Asynchrone Kommunikation als Gamechanger
Eine Alternative ist asynchrone Kommunikation. Das bedeutet, dass Kommunikation zeitlich entkoppelt stattfindet.
Zum Beispiel über:
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Messenger
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Sprachnachrichten
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kurze Textnachrichten
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Chats
Der Unterschied ist entscheidend. Man kann selbst entscheiden, wann man antwortet. Man kann überlegen, nachfühlen, Informationen sammeln und dann reagieren. Die Kommunikation bleibt dialogisch, aber ohne den Druck des Moments.
Gerade für kreative Menschen, Gründer:innen oder Scanner-Persönlichkeiten kann das enorm entlastend sein. Energie bleibt dort, wo sie gebraucht wird: bei Ideen, Projekten und Fokusarbeit.
Die Inbox der Hölle
Ein weiterer Punkt ist E-Mail. Viele Postfächer sind überfüllt mit Informationen, die kaum relevant sind.
- Newsletter
- CC-Mails
- automatische Benachrichtigungen
- endlose Verteiler
All das erzeugt Rauschen. Und dieses Rauschen kostet Aufmerksamkeit.
Flo beschreibt, wie er schon früh begonnen hat, seine E-Mail-Kommunikation radikal zu reduzieren. Interne Kommunikation wurde aus E-Mails herausgelöst und stattdessen über Messenger-Systeme organisiert. Zusätzlich helfen Tools, die eingehende Mails automatisch sortieren. Newsletter landen in separaten Ordnern, CC-Mails verschwinden aus dem Hauptpostfach, und übrig bleibt nur das, was wirklich relevant ist.
Das Ergebnis: weniger Ablenkung und mehr Klarheit.
Signals statt Noise
Ein Gedanke aus einem Podcast von Kevin O’Leary beschreibt dieses Prinzip sehr gut: Kommunikation besteht aus zwei Dingen – Signals und Noise. Noise ist alles, was uns beschäftigt, aber eigentlich nicht relevant ist. Signals sind die wenigen Informationen, die wirklich wichtig sind.
Das Problem moderner Kommunikation ist, dass viele Kanäle vor allem Noise erzeugen. Telefonate, unnötige E-Mails oder endlose CC-Schleifen wirken produktiv, führen aber selten zu klaren Entscheidungen oder echten Fortschritten.
Wenn man beginnt, dieses Rauschen bewusst zu reduzieren, entsteht plötzlich Raum für die Dinge, die wirklich zählen.
Wenn Kommunikation Energie kostet
Kommunikation ist nicht nur ein Informationsaustausch. Sie ist auch ein Energieaustausch. Ein spontaner Anruf bringt nicht nur ein Thema ins eigene Feld, sondern auch die Emotion der anderen Person. Vielleicht ist jemand gestresst, genervt oder unter Druck.
Diese Energie kommt ungefiltert an.
Bei Text oder Sprachnachrichten passiert etwas anderes. Die emotionale Intensität ist geringer, und die Kommunikation wird strukturierter.
Man kann reagieren, statt reflexartig zu antworten.
Warum Messenger oft besser funktionieren
Messenger-Systeme haben deshalb einen entscheidenden Vorteil. Sie ermöglichen Kommunikation ohne permanente Unterbrechung. Gleichzeitig bleiben sie flexibel.
Man kann:
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kurze Nachrichten senden
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Sprachnachrichten aufnehmen
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Links oder Informationen teilen
Der Austausch bleibt dialogisch, aber nicht zwingend synchron.
Viele Menschen entschuldigen sich sogar für längere Sprachnachrichten. Dabei ist genau das für viele ein angenehmes Format: Die Geschichte erzählen, Gedanken ordnen und dem Gegenüber Raum lassen, später zu antworten.
Kommunikation bewusst gestalten
Die wichtigste Erkenntnis dieser Episode ist vielleicht diese: Kommunikation ist kein Naturgesetz. Sie ist eine Kultur. Viele Kommunikationsmuster entstehen einfach aus Gewohnheit. Menschen telefonieren, weil sie es immer so gemacht haben. Organisationen nutzen E-Mail, weil sie es schon immer so gemacht haben.
Doch gerade heute lohnt es sich, diese Gewohnheiten zu hinterfragen.
Welche Kommunikation bringt wirklich Klarheit?
Welche erzeugt nur Rauschen?
Und welche Form hilft uns, Fokus und Energie zu schützen?
Fazit: Weniger Rauschen, mehr Raum für das Wesentliche
Die Episode zeigt, dass Kommunikation nicht nur eine Frage der Höflichkeit oder Gewohnheit ist. Sie ist auch eine Frage von Energie, Aufmerksamkeit und Arbeitsstil. Besonders für Scanner-Persönlichkeiten, neurodivergente Menschen oder stark wahrnehmende Gründerinnen und Gründer kann ein spontaner Anruf mehr Störung als Hilfe sein.
Asynchrone Kommunikation bietet hier eine Alternative. Sie schafft Raum zum Denken, zum Nachfühlen und zum Antworten im eigenen Rhythmus. Reaktionen müssen nicht sofort passieren. Dadurch entsteht die Möglichkeit, bewusst zu antworten.
Flo beschreibt diesen Ansatz als Einladung zur Reflexion. Welche Kommunikationsform erzeugt wirklich Klarheit? Wo entsteht unnötiges Rauschen? Und wie können wir Strukturen schaffen, die mehr Energie für das freimachen, worauf wir wirklich Lust haben?
Vielleicht liegt die Zukunft der Zusammenarbeit darin, bewusster zu kommunizieren und Kommunikationsformen zu wählen, die zum eigenen Arbeitsstil passen.
Manchmal beginnt das mit einer einfachen Entscheidung:
Nicht anrufen. Schreiben.