Rabbit Holes statt To-Do-Listen
Mein Gehirn hat einen Genuss-Modus, den neurotypische Hirne vor Neid erblassen lassen.
Vor kurzem wollte ich nur kurz einen Kick-Sound checken. Sechs Stunden später sass ich immer noch in meinem Music-Production-Programm, hatte die Snare zwanzigmal getweakt und den Bass so lange geschraubt, bis er endlich gewummert hat wie er sollte. Kein Hunger. Kein Schlafbedürfnis. Kein Zeitgefühl. Nur dieses intensive Präsentsein, das mir signalisiert: Hier gehörst du hin. Und dann war es 5:30 Uhr morgens. Oops.
Das kenne ich. Und viele von euch auch.
Was die Forschung sagt
Die Forschung nennt das Monotropismus. Dwyer et al. haben 2024 untersucht, wie Menschen mit ADHS, Autismus und anderen neurodivergenten Profilen Aufmerksamkeit verteilen. Wir fokussieren intensiver und tiefer. Wenn uns etwas packt, fliesst Dopamin in Strömen und wir tauchen ab in Welten, die schwer erklärbar sind.
Neurotypische Produktivitäts-Tipps sagen mir, ich soll fokussierter arbeiten. Mein Gehirn lacht und taucht ab ins nächste Rabbit-Hole. Hat hier wer Fokus gesagt?
Das ist kein Defizit. Das ist ein anderes Betriebssystem.
Was aus meinen Rabbit-Holes entstanden ist
Aus meinen Rabbit-Holes sind Firmen entstanden, Freundschaften, ganze Lebensphasen. Das LEGO Serious Play Zentrum? Rabbit-Hole. Mein Buch? Rabbit-Hole. Dieser Post? Kind of...
Ich löse mich meist erst eine Minute vor einem Video-Call aus dem Flow und hechte dann rüber. Aber was ich aus diesen Tauchgängen hochhole, hat mein Leben reicher gemacht als jede To-Do-Liste.
Die To-Do-Liste sagt mir, was ich tun soll. Das Rabbit-Hole zeigt mir, wer ich bin.
Tiefe und Vielfalt gleichzeitig
Wir Scanner*innen und Neurospicys haben ein Gehirn, das für Tiefe und Vielfalt gleichzeitig gemacht ist. Daraus werden Entdeckungen möglich, die es ohne dieses Eintauchen nie geben würde.
Feiere deine Rabbit-Holes. Sie sind kein Zeitverlust. Sie sind dein Schatz.
In welches Rabbit-Hole bist du zuletzt abgetaucht?