Der Pirat & The AI Leader: Entscheidungen
Welche Entscheidung hast du zuletzt richtig bereut?
Und schon sind wir mitten im Kern: Entscheidungen sind selten rein logisch. Oft sind sie ein Mix aus Erfahrung, Emotion, Daten, Kontext und Timing. Genau hier kommt KI ins Spiel nicht als Instanz, die dir Entscheidungen abnimmt, sondern als Sparringspartner, der dein Denken erweitert.
In dieser Folge sprechen Der Pirat Florian Wieser und The AI Leader Dennis Preiter darüber, wie künstliche Intelligenz Entscheidungsprozesse verändert, wo ihre Grenzen liegen und warum Verantwortung trotz Technik immer beim Menschen bleibt.
KI nimmt dir keine Entscheidung ab aber sie macht das Buffet grösser
Flo beschreibt KI sehr treffend als ein Buffet: Sie legt mehr Optionen, Perspektiven und Vorschläge auf den Tisch. Das fühlt sich nach Entlastung an, weil man schneller in die Tiefe kommt. Dennis ordnet das ein: Die Entscheidung und erst recht die Umsetzung kann am Ende nur der Mensch treffen. KI liefert Inputs, Muster, mögliche Konsequenzen. Sie ersetzt keine Verantwortung.
Genau das wird zum roten Faden der Episode: KI kann Entscheidungen vorbereiten, aber nicht tragen.
Was eine gute Entscheidung ausmacht
Dennis bringt mehrere Kriterien ins Spiel, die gute Entscheidungen balancieren müssen.
- Geschwindigkeit. Entscheidungen dürfen nicht ewig dauern, sonst entscheiden Ereignisse oder andere Menschen für dich.
- Genauigkeit. Daten helfen, weil sie blinde Flecken reduzieren und Annahmen prüfbar machen.
- Fairness, Ethik und Verantwortung. Hier wird es menschlich. Denn selbst wenn eine Empfehlung logisch wirkt, kann sie im Kontext falsch, unfair oder untragbar sein. Und genau an dieser Stelle ist KI allein nicht verlässlich, weil sie nicht automatisch den ganzen Kontext kennt und auch keine moralische Verantwortung übernehmen kann.
Bauchgefühl, Daten und die Frage nach Intuition
Flo bringt das Thema Bauchgefühl und Emotion rein und macht deutlich: Viele Fehlentscheidungen passieren, wenn wir im Stress zu schnell schneiden. Wenn die Amygdala übernimmt, fehlt die innere Reife, um Ressourcen, Folgen und Prioritäten sauber zu bewerten.
Spannend ist die Frage, die die beiden streifen: Was ist Intuition eigentlich? Ist sie nur unbewusste Mustererkennung, geprägt durch Erfahrung und Bias? Oder steckt mehr dahinter? Die Episode muss das nicht endgültig klären, aber sie nutzt den Gedanken, um den Unterschied zur KI zu zeigen: KI arbeitet als Wahrscheinlichkeitsmaschine. Sie baut Heuristiken auf Daten. Das ist mächtig, aber nicht dasselbe wie menschliches Erleben.
Warum KI bei Entscheidungen gleichzeitig hilft und gefährlich sein kann
Dennis macht klar: LLMs können schlechte Entscheidungen begünstigen, wenn man sie falsch nutzt. Sie arbeiten statistisch, zeigen bestimmte Häufigkeitsverzerrungen, und sie können eine Lücke haben zwischen dem, was sie behaupten, und dem, was sie tatsächlich liefern.
Gleichzeitig liegt genau darin ein Vorteil: KI kann unsere menschlichen Verzerrungen sichtbar machen. Denn Menschen entscheiden oft angeblich datenbasiert, suchen aber in Wahrheit Daten, die das Bauchgefühl bestätigen. Dieses Muster kann KI unterbrechen, wenn man sie bewusst als Gegenstimme einsetzt.
Die Voraussetzung ist jedoch Reife: Wer KI einfach nur als Bestätigung nutzt, verstärkt Bias. Wer KI als Spiegel nutzt, gewinnt Klarheit.
Die drei Schritte einer Entscheidung und warum die Verantwortung nicht verschwindet
Dennis strukturiert Entscheidungen in drei Schritte.
- Vorhersage. Welche Daten, Muster, Signale gibt es? Hier kann KI extrem stark sein.
- Bewertung. Was bedeutet das alles? Welche Optionen sind sinnvoll? Hier kann KI unterstützen, aber der Mensch muss die Bewertung der KI wiederum bewerten.
- Handlung. Irgendjemand muss es umsetzen und die Folgen tragen. Und genau hier sitzt die Verantwortung. Führung heißt, diese Verantwortung nicht auszulagern, sondern bewusster zu tragen.
Reifegrade der Entscheidungsfindung von gar nicht bis Agenten
Ein besonders hilfreicher Teil der Episode ist das Modell der Reifegrade.
Reifegrad null ist keine Entscheidung. Das klingt banal, ist aber real. Nicht entscheiden führt oft dazu, dass Umstände entscheiden.
- Reifegrad eins ist Bauchgefühl. Schnell, persönlich, oft treffsicher, aber auch verzerrungsanfällig.
- Reifegrad zwei ist datenbasiert. Zahlen, Fakten, Evidenz. Gut, aber ohne Bauchgefühl manchmal kalt oder zu eng.
- Reifegrad drei ist Bauchgefühl plus Daten im Dialog mit KI. Hier entsteht ein neuer Raum: Woher kommt mein Bauchgefühl? Welche Daten fehlen? Welche Perspektive habe ich noch nicht gesehen.
- Reifegrad vier ist agentische KI, also KI Agenten, die innerhalb eines definierten Rahmens eigenständig entscheiden dürfen. Das kann Effizienz erhöhen, erfordert aber noch mehr Klarheit über Grenzen, Kontrolle und Verantwortung.
Praxisbeispiel: Wenn KI die falsche Entscheidung richtig begründet
Dennis bringt ein Szenario: KI empfiehlt, das schwächste Teammitglied zu ersetzen, basierend auf Performance Daten. Klingt logisch, kann aber fatal sein.
Denn hier beginnt die entscheidende Führungsfrage: Welchen Kontext blendet die KI aus? Vielleicht gab es einen Todesfall in der Familie. Vielleicht ist die Person in Zahlen schwach, aber kulturell der Kitt des Teams. Vielleicht trägt sie Vertrauen, vermittelt Konflikte, stabilisiert Zusammenarbeit.
Die Episode macht daraus drei Reflexionsfragen.
- Würdest du ohne KI zur gleichen Entscheidung kommen?
- Welcher Kontext fehlt, der in Daten nicht sichtbar ist?
- Würdest du die Verantwortung für diese Entscheidung wirklich übernehmen?
Damit wird KI zum Testlauf für Führung: Nicht was KI sagt ist entscheidend, sondern wie du damit arbeitest.
Wer hat das Zepter in der Hand
Flo stellt die zentrale Machtfrage: KI oder wir? Dennis antwortet differenziert. Es wird Unternehmen geben, die rein datengetrieben entscheiden und das bis zum Anschlag optimieren. Diese Logik existiert schon ohne KI.
Aber sobald es um Führung im menschlichen Sinn geht, wird klar: Human in the Loop ist kein netter Zusatz, sondern das Prinzip. Sonst ist es nicht Führung, sondern technische Automation.
Ein Experiment für die nächste Woche: Gremium Prompting
Zum Schluss wird es praktisch. Dennis schlägt vor, Entscheidungen nicht nur mit einer KI Stimme zu besprechen, sondern ein ganzes Gremium zu simulieren.
Du gibst der KI Rollen. Controller, CEO, HR, Teammitglied, Psychologin. Dann lässt du dieses Gremium diskutieren und gehst in Interaktion. Das erzeugt Varianz, Perspektiven und neue Fragen, oft mehr, als wenn man allein drüber schläft.
Flo ergänzt einen spannenden Punkt: Früher war gemeinsames Beraten selbstverständlich. KI kann diese Gesprächskultur als Krücke zurückbringen, weil Zeit und Geld oft fehlen, um echte Expertinnen ständig verfügbar zu haben. Für einen vergleichsweise kleinen Betrag bekommst du ein simuliertes Gremium, das dir hilft, die Entscheidung besser zu verstehen. Tragen musst du sie trotzdem selbst.
Fazit: KI macht Entscheidungen nicht leichter, sondern bewusster
Diese Episode nimmt die bequeme Fantasie auseinander, dass KI uns Entscheidungen abnimmt. Stattdessen zeigt sie etwas Nützlicheres: KI kann Entscheidungsprozesse reifer machen. Sie kann blinde Flecken aufdecken, Perspektiven simulieren, Daten schneller sortieren, Bauchgefühl hinterfragen.
Aber sie entbindet niemanden von Verantwortung. Führung bleibt menschlich. Und genau darin liegt die Einladung dieser Folge: Entscheide nicht weniger. Entscheide bewusster. Willkommen an Bord.