Neurotypisch vs. Neurospicy. Macht diese Unterscheidung Sinn?
@dietiefenpsychologin hat auf insta ein Carousel gepostet, das kritisch auf die Neurodiversitätsbewegung schaut. Ihr Punkt: Identitätspolitik ersetzt keine Psychologie. Labels können die Suche nach dem eigenen Gewordensein beenden, bevor sie richtig beginnt.





Ja, kann man so sagen, sieht der Pirat aus eigener Erfahrung anders und ermutigt sogar zu Labels.
Woher ich das weiss
Nach einer depressiven Episode bin ich auf das Label „High Sensitive Person" gestossen. Es hat mir geholfen zu verstehen, wo meine Funktionsweise abweicht, dass ich das eigentlich mein Leben lang schon hatte und dass das verdammt anstrengend sein kann. Dieses Label begleitet mich bis heute, unterstützend und immer wieder in meine SELBSTFREUNDSCHAFT investierbar.
Es war kein Moment der Schwäche. Es war ein Moment der Klarheit. Zum ersten Mal hatte ich Sprache für etwas, das ich immer gespürt, aber nie benennen konnte.
Welches Label hat dir geholfen, dich selbst besser zu verstehen?
Warum Labels wirken
Für Menschen, die sich ihr Leben lang falsch, unpassend, zu viel gefühlt haben, kann ein Label der erste Moment sein, in dem sie aufatmen. Es sagt: Es gibt einen Hafen, da bist du ok.
Unser Gehirn funktioniert heute noch grösstenteils so wie vor 50'000 Jahren. Damals bedeutete aus der Zugehörigkeit fallen: Tod. Dieses Programm läuft noch. Zugehörigkeit ist kein Nice-to-have, sie ist existenziell. Ein Label bedeutet Zugehörigkeit. Beim Fussballclub ist das ja auch kein Problem.
„Es ist wie heimkommen" sagen mir Klient*innen, wenn wir auf Entdeckungsreise gehen und sie zum ersten Mal erfahren, warum neurotypisch gebaute Strukturen sich für sie immer so off angefühlt haben.
Das ist kein psychologischer Kurzschluss. Das ist Orientierung. Und Orientierung ist der erste Schritt zu allem anderen.
Was du damit tun kannst
Ein Label ist kein Gefängnis, keine Ideologie oder für immer. Es kann ein Kompass sein. Temporär oder nachhaltig, je nachdem was du brauchst. Erkunde die Labels, die dich finden. Nutze sie für das virtuose Navigieren durch eine Welt, die nicht für alle gleich gebaut wurde.
Die tiefenpsychologische Frage „Warum bin ich so geworden?" bleibt wichtig. Und sie schliesst nicht aus, dass ein Begriff wie „neurospicy" erstmal Luft zum Atmen gibt. Beides hat seinen Platz. Beides kann nebeneinander existieren.
Der Pirat sagt: Nimm dir Labels, die dich atmen lassen und überprüfe sie immer mal wieder, aber geniesse auch mal den Raum.
Welches Label hat dir Luft zum Atmen gegeben?