Sind Männer in Therapie Luschen?
„Ich geh nie in Therapie. Das ist was für Luschen!"
Ich kenn diesen Satz. Aus meinem eigenen Kopf. Von Freunden, die abtauchen. Einer ist seit anderthalb Jahren verschwunden. Er meint, er muss das alleine durchstehen.
Die Zahlen sind brutal
Nur 42 % der Männer mit psychischen Problemen holen sich Hilfe. Bei Frauen sind es 57 %. Gleichzeitig ist die Suizidrate bei Männern viermal höher.
Eine Studie zeigt: Junge Männer suchen seltener Hilfe, weil sie maskulinen Normen entsprechen wollen. Stark sein. Durchhalten. Alleine klarkommen.
Das ist kein individuelles Versagen. Das ist ein kollektives Muster — tief eingebrannt in unsere Vorstellung davon, was einen Mann ausmacht.
Kriegsenkel
Wir kommen aus dem Krieg. Manche tatsächlich, manche aus dem Wirtschaftskrieg. Oft waren unsere Grossväter noch an einer Front. Wir sind sogenannte Kriegsenkel. Wir reloaden die Verletzungen alle paar Jahrzehnte, wenn wieder ein Krieg durch eine Region fegt.
Das killt wortwörtlich ganze Männergenerationen. Und das Trauma vererbt sich und bleibt unbegleitet. Es sucht sich trotzdem einen Ausdruck: in Selbsthärte, Dissoziation, Beziehungsunfähigkeit und innerer Einsamkeit.
Niemand hat es so gewollt. Aber es passiert trotzdem. Generation für Generation.
Was passiert, wenn wir den Schmerz nicht spüren
Wer den Schmerz nicht spüren will, wird einsamer und einsamer. Erst ein Schmerz, der in Kontakt kommt, kann sich wandeln.
Die harten Männer verlieren an Marktwert. Immer mehr Frauen bleiben lieber allein oder suchen neue Beziehungsformen. Die Panzerung, die mal Schutz war, wird zur Mauer.
Und hinter dieser Mauer sitzt oft ein Mensch, der sich nichts sehnlicher wünscht als Verbindung — aber nicht mehr weiss, wie das geht.
Der therapierte Mann ist keine Lusche
Im Frieden wird Weichheit möglich. Das ist ein Zeichen von Stärke. Wo kein Kampf ist, braucht es keine Härte.
Waldemar Zeiler denkt gerade über ein Buch nach zum Thema Männer und Therapie. Ich feiere das. Wir brauchen mehr Role Models, die zeigen: Hilfe holen ist kein Versagen.
Raus aus der Isolation
Bring deine Themen in Kontakt. In Therapie, im Freundeskreis, in der Partnerschaft. Irgendwo. Hauptsache raus aus der Isolation.
Du musst das nicht alleine durchstehen. Niemand muss das.
Wo stehst du: Noch alleine durchkämpfen oder langsam öffnen?