Du bist zu viel..?

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Du bist zu viel..?

"Du bist zu viel"

Das hab ich mir schon als Teenie anhören müssen und mir gewünscht, „weniger" zu sein.

Zu laut. Zu emotional. Zu empfindlich. Zu kompliziert. Zu intensiv.

Ich hab Jahre damit verbracht, mich runterzudimmen. Weniger zu fühlen. Weniger zu zeigen. Weniger zu sein. Weil das neurotypische System mir sagte: So wie du bist, passt du hier nicht rein.

 

 

Was die Forschung längst weiss

Dieses Carousel von psychodenker auf Instagram fasst zusammen, was die Forschung längst weiss. Sensorische Verarbeitungssensitivität ist keine Störung, keine Schwäche, aber auch keine Superpower. Es ist ein anderes Verarbeitungssystem, das bei etwa 20 % der Menschen vorkommt. Verbreiteter als Linkshänder:innen.

Und trotzdem wächst ein Grossteil dieser Menschen mit der Überzeugung auf, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Dass sie sich anpassen müssen. Dass sie — irgendwie — weniger werden müssen, um dazuzugehören.

 

 

Es gibt nichts wegzutherapieren

Was mich am meisten trifft: Die Aussage, dass Sensibilität zu behandeln oder sie wegtherapieren zu wollen, zu den folgenreichsten Fehlinterpretationen der modernen Psychologie gehört. Logo: Hauptsache mensch funktioniert!

Ich hab Klient:innen in meinen Pirate Supervisions, die jahrelang versucht haben, sich das „zu viel" abzutrainieren. Die sich schämen für das, was eigentlich ein fein abgestimmtes Instrument ist. Die dachten, sie müssten weniger fühlen, um funktionieren zu können.

Das Ergebnis? Erschöpfung. Entfremdung von sich selbst. Und das tiefe Gefühl, nie wirklich anzukommen, weil man permanent versucht, jemand anderes zu sein.

 

 

Der Shift

Der Shift kam für mich mit der Neugier auf mich selbst, durch Abenteuer wie Human Design, Arbeitspräferenzen oder die Love Language. Ich habe irgendwann akzeptiert: Mein Nervensystem ist darauf ausgelegt, mehr wahrzunehmen. Das braucht andere Reize, andere Grenzen, andere Selbsterkenntnis. Und das ist keine Bürde.

Vom „Ich bin zu viel" zum „Meine Vielfalt ist mein Fokus" war ein langer Weg. Und er ist noch lange nicht beendet.

 

 

Wann hast du zum ersten Mal gehört, du seist „zu viel"? Und was hat sich verändert, als du angefangen hast, das anders zu sehen?

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